Der größte Mann Amerikas

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... wird in Malmö die schönste Frau des Eurovision Song Contest auf die Bühne tragen: Zlata Ognevich aus der Ukraine. Ihr Name bedeutet Goldene Flamme, mit bürgerlichem Namen heisst sie Inna Bordyug. Sie ist als Tochter eines Militärdoktors und einer Lehrerin in Murmansk geboren und lebt heute auf der Krim. Zuvor hat sie eine Gesangsausbildung im Bereich Pop und Jazz in Kiew absolviert. Sie singt u. a. als Solistin im Akademischen Ensemble der Ukrainischen Streitkräfte, und es lohnt sich, sich ihre Live-Auftritte anzuhören.

Mit dem Orchester singt sie Jazz-Arrangements ukrainischer Volks- und Wiegenlieder. Richtig schöne Hand gemachte Unterhaltungsmusik, die allerdings eine solide Ausbildung voraussetzt. Und genau die Tradition der soliden Ausbildung unterscheidet so manchen osteuropäischen Musiker von westeuropäischen ESC-Teilnehmern. Vor allem Deutsche sind in der Popmusik nach dem 2. Weltkrieg dazu erzogen worden, wenig zu machen, wenig zu können, dafür aber viel zu kaufen, möglichst aus den USA. Die Medieninszenierung um den deutschen ESC-Sieg war geradezu ein wieder erstarkendes Paradebeispiel für diese Besatzerstrategie. Deswegen möchte ich als Kontrast dazu die Strategie der Ukrainer näher betrachten, die – wenn ich es richtig deute – die Amerikaner als ihre Zielgruppe entdeckt haben.

An Zlata hebt man Schönheit, gute Kinderstube, gute Ausbildung, gute Umgangsformen und Überzeugungskraft hervor. Eleganz ist das Stichwort, das sie als Frau verkörpert. Ihr eleganter Beitrag „Gravity“ wurde ihr von Mikhail Nekrasov und Karen Kavaleryan (beide keine Unbekannten beim ESC) dementsprechend auf den Leib geschrieben. Hier kann sie das helle Timbre ihrer Stimme und die Beherrschung verschiedener Gesangs-Techniken vorführen. Das Lied ist moderne ukrainische Popmusik, das auch an verspieltes Musical erinnert. Für mich klingt es wie ein Prélude, ein Eröffnungslied, das neugierig macht.

Zlata Ognevich - Gravity (Ukraine at Eurovision 2013)

Nachdem sie im Dezember 2012 die Vorentscheidung gewann, startete der Komponist Anfang 2013 einen Aufruf für Verbesserungsvorschläge für dieses Lied, das Ergebnis wurde auf Fan-Seiten ausgewertet. Optimiert wurden daraufhin Intro und Outro, die Backgroundstimmen und die Geschwindigkeit. Am Schluss des Liedes hält der Komponist nach eigener Aussage noch einen Überraschungssound für uns bereit, an dem noch gefeilt wird. Obwohl die Schweden immer wieder darauf hingewiesen haben, die technischen Tricks zurückfahren zu wollen, haben sich die Ukrainer für ihre Performance etwas ausgedacht, was es angeblich noch nie zuvor auf der ESC-Bühne gab. Man darf also in mehrfacher Hinsicht gespannt sein.

Ihr Backgroundchor sind Ann Bailey Simons, Holly Petrie und Cleveland Watkiss(!) aus UK und Dasha Mineeva aus der Ukraine.

Die Performance zum Lied Gravity erzählt ein Märchen, in dem Zlata in einen Zauberwald gerät und dort Hindernisse zu überwinden hat. Hier kommt dann der großwüchsige Igor Vovkovinskiy zum Einsatz. Er steht ihr aber auch schon vor ihren Auftritten beschützend bei, indem er z. B. in Malmö Straßenschilder aus dem Boden reisst, um der Delegation Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Das finde ich drollig. Das Video zum 2. Vorbereitungstag der Ukrainer gibt auch einen guten Einblick in die Vorbereitungen, den Proben, Rehearsals und Pressekonferenzen vor Ort, das alles für den wahren ESC-Fan das Spannendste am ESC ist.

Igor Vovkovinskiy (2,43 m) ist ein ukrainischstämmiger Amerikaner, der von den Ukrainern eigens für den ESC engagiert wurde. Er scheint aus seiner Größe Kapital zu schlagen, z. B. trat er schon in diversen Filmrollen und Werbespots wie auch als „World's biggest Obama-Supporter“ auf. Durch seine ESC-Teilnahme wird wahrscheinlich der eine oder andere Artikel über den ukrainischen Beitrag in den USA erscheinen. Vielleicht winkt ja irgendwann auch Las Vegas oder der Broadway...

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